Kunsthaus, Bregenz, 1991

Auftraggeber:
Amt der Landeshauptstadt Bregenz

Ort:
Bregenz, Vorarlberg, Österreich

1. Bauaufgabe
Das Kunsthaus Bregenz besteht aus 2 Baukörpern, welche zwischen dem bestehenden Theater am Kornmarkt und dem Hauptpostgebäude in unmittelbarer Seenähe situiert sind. Für das Museumsgebäude war eine Baugrube mit Abmessungen von ca. 29 x 29 m und einer Tiefe von 11 m erforderlich. Der Abstand zum benachbarten Bühnenturm des Theaters am Kornmarkt beträgt an der engsten Stelle ca. 4 m.

2. Baugrund und Baugrube
Der Untergrund ist durch eine dünne Deckschicht, bestehend aus sandigen Kiesen in einer Mächtigkeit von 3 – 5 m, mächtigen Seetonablagerungen und in einer Tiefe von 16 – 29 m unter Gelände durch Sandstein gekennzeichnet. Für die Herstellung der 11 m tiefen Baugrube wurden Schlitzwände ausgeführt, welche ca. 0,5 – 0,8 m in den Sandstein eingefräst wurden. Bis knapp über die Felsoberkante wurden die Schlitzwände mit dem Schlitzwandgreifer her-gestellt; anschließend erfolgte die Einbindung mit einer Schlitzwandfräse in den Sandstein. Im Hinblick auf die Minimierung der Verformungen und Setzungen in der Umgebung wurden Schlitzwände mit Wandstärken von 120 bzw. 90 cm ausgeführt. Die Baugrube wurde 3-fach ausgesteift und das Gebäude in Deckelbauweise hergestellt. Die unterste Aussteifungsebene wurde in Teilabschnitten eingebaut, sodass diese Aussteifungsebene aus Filterbeton möglichst früh wirksam wurde.

3. Grundwasserabsenkung und Kontrolle
Die Grundwasserabsenkung erfolgte über eine Vakuumanlage, wobei deren Funktionstüchtigkeit durch eine Reihe von Porenwasserdruckgebern überprüft wurde. Wegen der sensiblen Umgebungssituation wurde ein umfangreiches Messsystem installiert, welches eine permanente Überwachung und Übertragung der Messwerte in das Büro des Statiker und des Amtssachverständigen ermöglichte. Im einzelnen wurden die nachfolgenden Mess-werte erfasst: Flächenlaser auf dem bestehen Theater, Rissmonitore, Porenwasserdruckgeber, Grundwasser-stand, Temperaturfühler und Neigungssensoren auf dem Theatergebäude. Periodisch wurden Inklinometer- sowie Trivecmessungen zur Kontrolle der Verformungen der Baugrube durchgeführt. Daneben wurde ein gedätisches Messprogramm mit Lage- und Höhenkontrollen realisiert.
Rückblickend kann festgestellt werden, dass etwa die Hälfte der eingetretenen Verformungen in direktem Zusammenhang mit der Herstellung der Schlitzwand stand und die restlichen Verformungen durch den Aushub und den Rückbau der Aussteifung entstanden sind. Die Setzungen des ca. 30 m hohen Bühnenturms lagen in einer Größenordnung von 5 cm, bei einer Schiefstellung von 3 – 4 cm.

4. Energienutzung
Durch die Schlitzwandbauweise war es möglich, dass in die Schlitzwandkörbe ein Energieabsorbersystem installiert wurde, welches eine Kühlung und Heizung des gesamten Gebäudes ermöglicht. Insgesamt wurden ca. 30.000 m Absorberleitungen in die Bewehrungskörbe eingebaut.

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